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Märchen von heute

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Es lebte einmal eine kinderreiche Familie in einem Haus, dass so klein war, dass es nur viele, viele Betten enthielt. Alle Familienmitglieder arbeiteten täglich ausserhalb des Hauses in dem Dorf oder hart auf dem Land. Nur dem jüngsten Kind war es erlaubt, dass zu tun, was es wollte. Es las und las. Eines Tages erschien dem Kind ein heiliger Mann. Dieser gab dem Kind drei Samenkörner mit der Anweisung, diese am Fussende seines Bettes einzupflanzen. Wenn es das brav täte, würde für die ganze Familie eine neue gute Zeit beginnen. Das Kind tat nach dem Manne. Der Samen lagen kaum in der Erde, schon fingen sie an zu wachsen. Als abends alle nach Hause kamen, reichten die Pflanzen schon bis zur Zimmerdecke. Da schimpfte der Vater. "Das geht hier nicht. Die Pflanze zerstört das ganze Haus. Wo sollen wir dann Leben? Pflanz alles vor dem Haus und ich gebe ruh." "Nein", erwiderte das Kind: " Der Mann hat ausdrücklich Wert darauf gelegt, dass die Samen hier in den Boden gelegt werden sollen. Nur dann wird eine neue, glückliche Zeit für uns alle kommen. "Na, gut mein Kind, gehen wir jetzt schlafen." antwortete der Vater.

Als das Kind am nächsten Morgen aufwachte, war alles beim Alten. Nein, doch nicht! Die Pflanze war weg. Aufgeregt rannte das Kind zum Vater, der gerade zu seiner harten Arbeit aufbrechen wollte. " Vater, wo ist die Pflanze?". " Ich habe sie draussen umgepflanzt." Das Kind läuft nach draussen. Die Pflanze ist nicht mehr weiter gewachsen. Nun bleibt alles beim Alten. Hilf- und machtlos ging das Kind in die Schule und las weiter Bücher wie bisher.
Neugierig entdeckte es im Schulregal ein viel versprechendes Buch. Beim Aufschlagen merkte es eine Veränderung, die wie eine Welle auf alle Schüler der Klasse sich ausbreitete. In der Klasse war ein schwacher, hilflos wirkender Junge. Er bäumte sich wie ein Luftballon auf, drehte sein Gesicht zum Kind und sprach mit veränderter rauer aber lauter Stimme, "Ich kriege euch alle, ich kriege euch alle, ich kriege euch alle." Schnell klappte das Kind das Buch zu. Seine zur Fratze verzerrtes Gesicht, seine heraus gestülpten Augen und sein runder grosser Mund mit einer spitzen Zunge waren nach diesen Worten wieder verschwunden. Alles schien wie vorher. Doch dann erinnerte sich der Junge an das Gefühl der Macht und Freiheit, die er gerade in sich verspürte. Er stand auf und stachelte alle bis zu diesem Zeitpunkt artigen Kinder auf, nur noch darauf zu achten ob das Leben Spass macht. So verweigerten alle Kinder im Dorf den Gehorsam und machten nur noch Party. Das Kind aber, dass so gerne gelesen hatte, traute der Fröhlichkeit nicht und beobachtete alles Geschehen. Plötzlich verschwand vor seinen Augen ein Kind nach dem anderen. Sie schienen wie Seifenblasen zu zerplatzen.
Bekommt er jetzt doch alle? Und wer ist er? Mit diesen Gedanken erwachte das Kind.

 

von Gabriele