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Home Christliche Astrologie und Schlupf

Christliche Astrologie

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Der Gang der Sterne ist eine offensichtliche Wirkung verborgener Ursachen. Die Astronomie sucht die Quellen der Himmelserscheinungen im Raum, obwohl es sich in Wirklichkeit um wahrnehmbare Zeitfiguren handelt. Die Wissenschaftler glauben, ihre Teleskope seien Fenster, die geradewärts den Blick zum Ursprung gewähren. Tatsächlich sind aber alle Himmelsprozesse Widerspiegelungen der Ereignisse aus dem Zeitenraum. Der Spiegel ist die Gegenwart, der mehrdimensionale Schnittbereich zwischen Vergangenheitswelt und Zukunftswelt. Das Parzivalmotiv "zum Raume wird die Zeit" ist der Schlüssel, mit dem sich alle Erscheinungen des Alls sowie die Beziehungen zwischen Kosmos und Individuum erschließen.

In der tropischen Astrologie scheint dieser Gedanke bereits virulent, jedoch kann man kein tieferes Verständnis der Realitäten des Zeitenraums (Akasha) entwickeln, wenn die Theorie schlicht auf einer realen Situation vor gut 2000 Jahren fixiert ist. Die üblichen Horoskope sind Momentaufnahmen der Konstellationen aus der Vergangenheit. Etwa 31 Tage eilt der etablierte Horoskopzirkus gegenüber der Gegenwart nach. Eine weitere Fehlerquelle resultiert aus der Annahme, die Verschiebung zwischen Ursache und Wirkung sei universell konstant.

Nun gibt es diese Phasenverschiebung wirklich, sie ist jedoch abhängig vom jeweiligen Individuum. Sie kann wohlgemerkt gegenüber dem sichtbaren Sternenstand sowohl rückwärts in die Vergangenheit als auch vorwärts in die Zukunft gerichtet sein. Menschen, deren "Ursprung" in der Vergangenheit verortet ist, sind ganz anders kosmisch konfiguriert als die, deren Grundtakt aus der Zukunft gesteuert wird. Die Bandbreite der zeitlichen Differenz zwischen Sichtbarkeit und Ursprung ist begrenzt auf maximal ein Jahr. Die Abweichung ist nie größer als 6 Monate. Goethe kam der Obergrenze sehr nahe mit einer positiven Phase von 5,8 Monaten. An der anderen Grenze mit einer negativen Phase von praktisch 6 Monaten ist die Individualität Stalins zu finden, die sich gegenwärtig auf ihre Inkarnation als Antichrist im Jahre 2045 vorbereitet.

Das Geburtshoroskop auf der Basis der sichtbaren Konstellationen ist darüberhinaus nur gültig für die materiellen köperlichen Prozesse. Ein den wahren Verhältnissen entsprechendes Horoskop muss die kosmischen Kräfte jedoch auch nach ihrem unterschiedlichen Wirkungspotential für Geist, Seele und Körper prüfen. Die Erscheinungen der sichtbaren Welt und damit die Körperprozesse sind synchron mit einem Zeitstrom, der verschieden ist von der Akashawelt. Künftige Horoskopmodelle müssen aber beide Zeitströme berücksichtigen, ansonsten sind die Aussagen spekulativ und höchstens zufällig treffend. Für das Verständnis des Wesenskerns (kurz Ich) und seines Motivpotentials ist ein zweites Horoskop erforderlich, das vom Geburtszeitpunkt um einen positiven oder negativen Schlupf versetzt ist. Der Schlupf ist eine individuelle Konstante über den gesamten Lebenszeitraum eines Menschen.

Das Ich ist immer synchron mit seinem eigenem Zeitfeld wie der Mittelpunkt des Kreises zur Peripherie. Zeitlich ist das Ich somit mehr oder weniger von seiner erfahrenen Gegenwart entfernt. Nachts im Schlaf/Traum befindet sich ein jedes Ich im Zentrum und synchron mit seinem Zeitstrom in der geistigen Welt, dem höheren Selbst, tagsüber ist es "nur" ein lebendiger "Lichtfleck" auf der Peripherie im Zeitstrom der ersichtlichen Welt. Die Peripherie ist gleichzusetzen mit unserem frei beweglichen Bewußtsein. Dieser ist zwischen dem Rand der gesamten "Ich-Sphäre" und dem Zentrum völlig frei beweglich, kann aber durch Verhärtungen /Krankheiten an bestimmten Komplexen festgezurrt werden. Über den Rand der Ich-Sphäre dringt das Bewußtsein allerdings nicht hinaus, es sei denn, es vereinigt sich im christologischen Sinne mit einem Du (oder mehreren).

Die Ichsphären der meisten Menschen befinden sich allerdings ziemlich in der Nähe der Gegenwart (1 Stunde bis 1 Tag Abstand). Alle Exerzitien zur eigenen Erkenntnis und Geistesschulung sind nur dann erfolgsversprechend, wenn die Bemühungen dahin gehen, die eigene Ich-Sphäre über sich selbst zu erweitern.

Das Alter ist die Gegenwart der Vergangenheit.

Thomas Mann, Doktor Faustus

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 12. Januar 2017 um 17:12 Uhr