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Home ENGELISCH Lernen! Wagner und der Gral

dicis et non facis

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Die Diskussion über Mißbrauch zeitigt Bedenkliches. Der überwiegend große zeitliche Abstand zwischen Tat und den Anzeigen heute ist doch mehr als auffallend. Irgendwie scheint es nur Mißbrauch gegeben zu haben vor der Verjährungsfrist. Und heute? Sind wir über die grausigen Taten etwa hinweg?
Das zweite ist die absente Diskussion über das Machtthema. Mißbrauch setzt doch Macht voraus. Diese leitet sich ab aus der Institution, innerhalb der der Mißbrauch getrieben wird. Woher haben Institutionen mit religiösem Grund ihre Macht, obwohl ihr letzthinniger Ursprung doch die sich selbst in die absolute Ohnmacht begeben habende Allmacht ist. Dies wahrhaft unverjährbare Skandalum diskreditiert besagte Einrichtungen mehr als die zumeist verjährten Untaten. Das Vergehen an der Allmacht ist nicht justiziabel, noch nicht einmal verworfen, da die Allmacht sich selbst in den Mißbrauch Ihrer Eigenheit hineingeopfert hat. Es ist also nur ein Erkenntnisproblem. Die religiösen Institute sind verbraucht, weil sie ihre Urhebung mißbrauchen zu Sicherung von Macht und Brot, das ihre Gläubiger ihnen erhalten, das sie aber selber den Gläubigen verweigern. So wird geflissentlich über Opfer und Einsicht geredet aber von der eigenen andauernden und nicht vergebbaren geistigen Unredlichkeit nie!

Ob Katholizismus, Evangelismus und natürlich auch der schafspelzige Anthroposophismus, allen Weltanschauungsinstitutionen eint die methodische und andauernde Täuschung ihrer Anhänger über das ursprünglich Gewollte. In den Mauerkirchen wird von den mächtig Selbstwollenden über den selbstlos eingezogene Wille des Allesrichters nicht gepredigt und der willensfreie Reinraum zu schmutzigen Eigennutz schamlos besetzt. Wieder wurden die Seelen durch reichlich Ostergeplärre über die Aussicht auf Seligwerdung von Hand der Geweihten benebelt. Der Hunger auf Verstehen des Grundes aller Gründe nicht gestillt, der Sinn vom Ichsein nicht enthüllt.

Somit unbezeichnet mästet sich weiter der "dicis et non facis" und geheime rotschöpfige Herrscher genannter Institutionen bei öffentlicher Zurschaustellung zungengelenkiger Be-Reinigung der Versammelten. Ist sich seiner völlig sicher, da bürgerliche Gesinnung noch nie auf Überwindungstum verfiel.

Roß und Reiter zu benennen, zeiht zwar keine Herden, es wurde aber die scheinbar belzebübische Neuigkeit der spirituellen Entwicklung von Herodias über Kundry zu Rudolf Steiner anständigerweise weltweit geklickt und - mehr als erstaunlich -überwiegend als durchaus heilerisch gegen Glorificat und Infallibilität des Doktors bewertet. Berechtigt ist daher das neue Interesse an dem grausigen Geschehen, das am Samstag, den 19. Juli des Jahres 31 mit der Enthauptung Johannes seinen Abschluß fand. Herodias (die Alte) stiftete aus Rache die junge überaus schöne Herodias, ihre Tochter, zu dem bekannten geilen Tanz, weil sie den Machtverluß über Herodes befürchtete, der sich durch Johannes Ermahnungen bereits auf dem Wege der Besserung befand. Ihr Kuß auf den Mund des Enthaupteten wird von dem Stifter der Geisteswissenschaft als die schlimmste schwarzmagische Tat bezeichnet, bei der sich selbst ein Höllenfürst abwenden muß. Fast exakt 800 Jahre später versucht Kondrie (La Sorziere) unter dem Willen Klingsors wieder einen Kuß, um den jungen Parzival von seinem Weg nach dem Gral abzubringen. Richard Wagner berichtet sicher authentisch, hatte er doch als Maurin und schöngeschenkelter Marschall der Königin am Hofe Artus Kondrie als Wanderin zwischen den Welten (Klingsors Schloß - Gralsburg) hautnah erlebt. Bei ihrem ersten Auftritt in seiner Oper wird bezeichnender Weise rhetorisch die Frage gestell: "Die bringt wohl wichtige Kunde...". Der Geistesforscher ist es dann wohl, der der Menschheit die wichtige Kunde der Anthroposophie zu überbringen hat.

Nun ist noch von einem dritten Kuß zu reden, der einem anthroposophisch gesinnten Zusammenhang in Berlin mit Szenen aus dem dritten Teil des Faust in dessen eigenen Räumen nahegebracht werden sollte, aber bei den - diesmal seltsam einigen - Gemeinten auf eine nahezu komplette absentia corporalis et mentalis stieß. Schade eigentlich, denn besagter dritter Kuß besiegelt die erfolgte Verwandlung des Herodiasmotivs, die einer Selbtsschulung von 2000 Jahren bedurfte. Dennoch konnte man zufrieden sein, da der anwesende Geist des Hauses Mitteilung erhielt vom gelungenen Wechsel von minus zu plus beim Geistesforscher während dem im negativen Schlupf von 4,6 dauerhaft verstockten Klingsor das Zählen seiner Opfer auf dem Kerbholz genügt.

Für ein Bild der Kondrie ist man bei Wolfram's Parzival an der richtigen Quelle. Dort schmäht sie Parzival mit den Worten:

  Kondries Erscheinung Kondrie über Parzival

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Jungfrau war der Künste voll,
Alle Sprachen sprach sie wohl,
Französisch, Heidnisch und Latein.
Sie hatt erlernt obendrein
Dialektik und Geometrie;
Auch von Astronomie

War ihr Alles wohlbekannt:
Kondrie wurde sie genannt.
Sorziere war der Zunamen
Der am Mund fürwahr nicht Lahmen,
Denn er sprach ihr genug,
Die viel hoher Freuden niederschlug.

Diese Magd an Künsten reich
Sah doch Denen wenig gleich,
Die man gerne beau gens nennt.
Ein Brautlaken wars von Gent,
Lazurfarben und noch blauer,
Das trug der Freuden Hagelschauer
Als einen Mantel wohl geschnitten
Nach französischen Sitten:
Darunter sah man Pfellel gut.
Von Lunders ein Pfauenhut
Unternäht mit Plialt
(Der Hut war neu, die Schnur nicht alt),
Hieng ihr nieder auf den Rücken.
Ihre Botschaft glich wohl einer Brücken,
Die Jammer über Freude trug:
Behagens raubte sie genug.

 

Ueber den Hut ihr Zopf sich schwang
Bis auf das Maulthier: der war lang,
Schwarz und fest, nicht allzu klar,
Lind wie der Schweine Rückenhaar.
Genaset war sie wie ein Hund;
So ragten auch ihr aus dem Mund
Zwei Eberzähne spannenlang.
Jedwede Augenbraue schwang
Sich in langen Zöpfen nieder.
Wahr sprech ich, ob der Zucht zuwider,
Daß ich so muß von Frauen sagen;
Keine andre darf es von mir klagen.

 

Kondrie hatt Ohren wie die Bären
Zu scheuchen zärtliches Begehren
War ihr Antlitz rauh genug.
Eine Geisel in der Hand sie trug;
Die hatte seidner Schwenkel viel;
Ein Rubin war der Stiel.
Von Farbe wie des Affen Haut
Trug Hände diese schöne Braut;
Die Nägel waren nicht zu licht,
Denn die Aventüre spricht,
Sie sahn wie Löwenklauen aus.
Um Sie gabs selten Kampf und Strauß.

 

 

 

 

»Fils dü Roi Utpandragon,
Dir selbst und manchem Breton
Hast du geworben Schande.
Die Besten aller Lande
Säßen hier, ein würdger Kreiß,
Fiele nicht dieß Gift in euern Preis.
Hin ist die Tafelrunde:
Ein Falscher ist im Bunde.
König Artus, hoch erhob
Ueber deine Genoßen sich dein Lob;
Dein steigender Preis, er sinkt,
Deine schnelle Würde hinkt,
Dein hohes Lob wird tief geneigt,
Da Falsch an deinem Preis sich zeigt.
Der Preis der Tafelrunde
Muß erlahmen seit der Stunde,
Daß ihr aufnahmt Parzivalen,
An dem die Ritterzeichen prahlen.
Ihr nennt ihn nach dem Ritter roth,
Der vor Nantes fand den Tod;
Doch ungleich sind die Zwei gewesen:
Von Niemand ward noch je gelesen,
Der so höchlich wär zu preisen.«
Von dem König ritt sie zum Waleisen.
Sie sprach zu ihm: »Ihr sollt mir büßen,
Daß ich versagen muß mein Grüßen
Artusen und den Rittern sein.
Verflucht sei euer lichter Schein
Und eures Wuchses Männlichkeit.
Hätt ich Heil und Seligkeit,
So blieben sie euch theuer.
Ich dünk euch ungeheuer
Und bin geheurer doch als Ihr.
Herr Parzival, nun saget mir,
Wie sich das begeben hat:
Da ihr den traurgen Fischer saht
Freudlos sitzen, ungetröstet,
Daß ihr des Leids ihn nicht erlöstet?«

»Er zeigt' euch seines Jammers Last:
O ihr ungetreuer Gast!
Da sollt euch seine Noth erbarmen.
Möcht euch der Mund verarmen,
Der Zunge, mein ich, drinne,
Wie eur Herz ist rechter Sinne!
Der Hölle hat euch vorbestimmt
Der im Himmel giebt und nimmt:
So soll euch auch auf Erden
Der Guten Abscheu werden.
Ihr Glücksverwiesner, Heilverbannter,
Vom Preis verlaßner, ungekannter,
Ihr seid an Ehre lahm und schwank
Und an der Würdigkeit so krank,
Euch kann kein Arzt mehr Heil gewähren.
Ich will auf euerm Haupte schwören,
Stabt mir Jemand solchen Eid,
Nie sah man größern Trug bis heut
An einem also schönen Mann.
Ihr tücksche Angel, Natternzahn!
Gab euch nicht der Wirth das Schwert,
Des ihr niemals wurdet werth?
Doch statt zu fragen, schwiegt ihr still;
Ihr seid des Höllenhirten Spiel.
Ehrloser Mann, Herr Parzival!
Trug man nicht vor euch hin den Gral,
Schneidendes Silber, blutgen Sper!
Ihr Freudenziel, des Leids Gewähr!«

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Juni 2010 um 10:52 Uhr