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Home Mythos des Grals Gewährsmann Kiot

Gewährsmann Willehalm

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Neu übersetzt nach Wolfram von Eschenbach

Ohne Falsch Du Reiner,
Du Drei und doch stets Einer,
Schöpfer, der alles geschaffen,
Ohn‘ Ursprung sind Deine Liebeswaffen.
Ohn Ende Du verbliebest.

Auch wenn Du mir vertriebest
meine Gedanken, die nur flüchtig sind,
Du bist mein Vater und ich bin Dein Kind.
Du, erhaben über alle Edelkeit,
lass nie ab, auch wenn wir Dir leid,

kehr uns Dein Erbarmen zu,
auch wenn ich, Herr, Dir Sünde tu.
Lass, Herr, mich niemals übersehen,
was an Seligkeit Du mir ließest geschehen
und welche endenlose Wonne.

Dein Kind aus Deiner Sonne
bin ich ganz bescheidentlich
arm zwar und fern Deinem Reich
durch Dein Menschtum Dir aber gleich.

Unbestreitbar, daß Deine Gottheit
sich „Unser Vater“ nennt.
An diesem sich unsere Kindschaft selbst erkennt.
Mit der Taufe ward mir der Trost
mit der ich vom Zweifel ward erlöst.

Ganz gefestet ist mein Sinn,
da ich Dein genennet bin:
dies mein Wissen ist ohne Hinterlist,
Du bist der Christus und ich ein Christ.

Über alle Höhen und alle Breiten,
den Tiefen und den Ewigkeiten
Dein Rechten kennet keine Enden.
Geführt von Deinen Händen
erfolgt der Wandelsterne Lauf
die am Himmel sich so wunderlich führen auf.

Luft, Wasser, Feuer und Erde
wohnt fürwahr in Deinem „Werde“
Alles unter Deinem Gebot steht,
das willentlich sich selbst bewegt.
Auch hat Deine göttliche Macht

den lichten Tag, die trübe Nacht
von einander geschieden
durch der Sonnen Lauf hiernieden.

Ohn Dein Maß der Steine Kraft zerstiebt in Kürze
und aller Kräuter Saft versiegt die angestammte Würze

Deine Weisheit bezeichnet auch diesen Ort
mit der Schrift, in der geschrieben Dein gerechtes Wort.
Dein Geist hat mich so gestärkt,
alle meine Sinne sind auf Dich gemerkt:
was in Büchern steht geschrieben,

davon bin ich ahnungslos geblieben.
In nichts anderem gelehrt ich bin:
als in der Kunst, die gibt mir Sinn.
Hilf weiter mit Deiner Güte,
stärke mein Gemüte

im festen Sinn der Weise,
daß ich Deinen Namen preise,
als ein Ritter, der Dich nie vergaß.
Wenn ich je verdiente Deinen Haß,
da ich an sündlich Dinge dachte,

Dein Erbarmen mir die Kunde brachte,
Daß bei Werken derber Mannheit
Deine Wandlungshuld sich hält bereit.
Deine Hilfe bracht ihn sicher aus der Not
Blieb gelassen gegen besagten Doppeltod,

der Seele und des Leibes;
doch in Minne eines Weibes
er schwere Herzensnot gewann.
der Landgraf von Thüringen namens Hermann
macht mich mit seiner Mär bekannt.

Dieser hat mir den Franzos genannt
der bekannt als Graf Willehalm von Orangis.
Ein jeder Ritter ganz gewiß,
über seine Hilfe in Angst geriet,
daß ihn seine wahre Natur verriet,

da er ohn Heil steht vor seinem Gotte.
Der Unverzagte aber werde Bote
da er kannte der Ritter Nöte
wenn schwere Rüstung bracht ihm Röte.

Jeden Trick hat er zur Hand
wenn er den Helm so aufs Haupt sich band
daß es nicht sein Leben koste.
Denn er war ein Ziel der Tjoste,
Bei Feinden man ihn gerne sah.

Ein Geizhals von ihm gerne sprach.

Nackte Erde reicht ihm als Schild und Dach...

 

 

Wolfram von Eschenbach bezieht sich auf seinen Gewährsmann Kiot. Dieser sei allein die einzig verlässliche Quelle. Der Name "Kiot" verweist auf das provencalische Guyot oder Guillaume (abgeleitet aus dem seinerzeit in eleganten Kreisen üblichen Willhelm). Mit seinem "Willehalm" macht Wolfram aller Welt klar, daß seine Quelle zum Gral von diesem historisch als Vasall Kaiser Karls und seines Zeichens Markgraf der Provence Willehalm identisch ist. Dieser erfocht in der berühmten bataille d'Alischance den Sieg über die Sarazenen. Gegner war sein "Schwiegervater" Terramer, seines Zeichens Kalif von Bagdad.

Nebenstehend die Einleitung Wolframs zu seinem ergreifenden Epos und zugleich Originalbericht des Geschehens mit größter europäischer Bedeutung aus dem Jahre 817 n.Chr.

 

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