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Home Mythos des Grals Gyburc und Terramer
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Gyburc und Terramer
Terramers Antwort
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Gyburcs nächtliches Gespräch mit ihrem Vater Terramer

(aufgezeichnet durch Wolfram von Eschenbach nach Überlieferung durch Landgraf Hermann von Thüringen, der es von seinem Gewährsmann Kiot/Willehalm, Markgraf der Provence hatte)

Es näherten sich nun nach Freud und Klage
endlich auch die hilfreicheren Tage
und nah kam die Zeiten,
die besorgtes Bitten bereiten‘
und mit Freuden ein Ende zu erleben,
in der Gyburc war Hartes gegeben,
die selber häufig den Waffenrock trug.
Das aber war ihrem Vater längst nicht genug,
der ihr viel lieber den Glauben genommen!
Sie aber sprach „ich habe durch Taufe gewonnen
den, der all die Kreatur
geschaffen, Wasser und Feuer gemäß seiner Natur
dazu die Luft und darunter die Erden.
Derselbe ließ auch mich dann werden,
und alles, was lebendig ist.
Sollt mir Mahomet den Christ
und Markgraf vermiesen,
mich meiner Taufe etwa wieder verschließen,
und viele werte Taten ganz,
die unter Schild und Lanz‘,
nur mit dem Helm bedeckt,
wurden so tapfer vollstreckt
vom Markgraf als Heldentat,
der noch viel des guten Willens hat
zu dienen meiner Minne?
Ich war zwar eine Königin,
so arm wie ich jetzt auch bin.
Im Araberland zu Arabin
als Gekrönte ich vor Fürsten ging
eh mich ein wahrer Fürst einfing.
Dieser aber konnt mich bewegen
der Demut heut zu pflegen,
und dadurch den, der der Höchste ist
was ist dagegen Tervagants billige List
gegen den, der das Höchste erfand?

Palast Glorjet heute in Orange

Der den Polarstern stellte an seinen obern Rand
und den andern Sternen gab ihren Lauf,
für den bin ich jetzt getauft:
der das Firmamentum schuf
den sieben Planeten galt sein Ruf,
auf Himmelsschnelle sich zu wiegen.
Seine Waage kann nicht trügen,
Der, Der das All ins Gleichgewicht gebracht,
seine Stetigkeit ist aus Ewigkeit gemacht
und für immer unvergänglich.
Wird‘s deinen Göttern da nicht bänglich,
vor dem der über alle Höhen gebietet
sein Werk so kunstvoll füget,
Wasserfluten, Ursprung aller Quellen
und gab der Sonne dreierlei Hellen,
die Hitze und des Lichtes Schein:
und das „in Bewegung Sein“:
mit dem sie bringt das Tageslicht und Nacht?
Was mir durch diesen Gott gebracht
der alles hat in seiner Gewalt,
dieser "Schaden" macht mich nimmer alt:
der bringt mich in größtes Ergetzen
wird einst ersetzen meines Leibes Fetzen
durch Reichtum meiner Seele.
Eure Mühe ist doch vergebens,
deines, mein Vater und deines Lebens
Gefährten, die ihr wagtet Leib und Ehren,
nur um des Tybalts Ruf zu mehren,
der auf mich keine Anspruch mehr hat
weder nach der Rede noch nach den Rechten.
Was ist es, Vater, was willst du rächen?
Dich an deines Kindes Schwächen?
Mit Blindheit bist du geschlagen!“

 



 

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