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Der Staatenempörer

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Ich hab' Aufruhr in die Staaten gesandt.
Hier waren gesunkne Moralität
Überfeinerung, Luxus der Großen
Hochfliegender Stolz und Übermuth
Willkommner Anlaß mir, zur Wuth
den Pöbel zu hetzen, und schwimmend in Blut,
die alte Verfassung umzustoßen.
Dort raunt' ich den Staatenverwaltern in's Ohr:
Aufklärung sei die Pest eines Landes,
Sie bringe nichts, als Unheil hervor.
Nur Unterjochung des Verstandes,
Und matte Dämm'rung, halb Tag, halb Nacht,
Aus Pechfackelnqualm hervorgebracht,
Sei Heil des Staates! Zum Hellsehn tauge
Nicht des gebrechlichen Menschen Auge,
Es müsse nur sehen bei kärglichen Licht,
Nicht denken sei des Glaubens Pflicht.
Ha! trefflich glücken meine Plane,
Man folgte, wie Wahrheit, dem neckenden Wahne.
Pechfackelnlicht ward, weit und breit,
verordnet von der Obrigkeit,
Bei Tod und Leben anbefohlen;


Und jeder musste sich sein Licht
vom Magazin der Fackeln holen;
Bei eignem zu sehen, erlaubte man nicht.
Vortrefflich! recht nach meinem Plane!
Bald wehte des Aufruhrs blutige Fahne;
Auf stand der freien Denker Zunft,
Schrie über Bedrückung der Vernunft;
"Kein Fackelnlicht! erscholl ihre Stimme,
Wir wollen bei heller'm Lichte sehn!"
Die Obrigkeit entbrannte im Grimme,
Und hieß die Schreier in Fesseln gehn.
Nun galt es Zerstörung! In ganzen Haufen
Sah man das Volk zusammenlaufen,
Und alles in Waffen, und alles in Wehr,
Ging's über die Vorratskammern her.
Ein Teil der Fackeln ging auf in Flammen,
Der andere ward in's Meer versenkt;
Die Staatenfüher vom Ruder gedrängt,
Und ihre Herrlichkeit stürzte zusammen.

 

1795 Berlinischess Archiv Dr. Faust von Johann Friedrich Schink
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 25. Oktober 2010 um 18:59 Uhr