Tiny-Mundo

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Home Exzellente Wissenschaft Wo ist der Geist heute

"Wer gewinnen will..."

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 4
SchwachPerfekt 

... muss Tore schießen" (Günter Netzer bei der WM Deutschland-Spanien). Das Spiel hält die Spannung nur solange noch Tore fallen können. Danach ist Jubel und Trauer rundum. Doch wenn das Toreschießen zuende, ist die Ursache der Emotion für immer entladen. Jedes getane Spiel langweilt bei der Wiederholung. Krake Paule kann mit seiner Prognose die Spannung vor und während des Spiels nicht mindern, auch wenn er hundertmal richtig läge, die Vorhersage des exakten Spielergebnisses - mit seinen acht Armen hat er ja ausreichend gestische Möglichkeiten - reicht nicht, denn niemand ist gewiß, ob er sich nicht doch diesmal irrt.

Paules Treffsicherheit ist aber erstaunlich. Die Wahrscheinlichkeit über die ganze Serie dieser WM liegt bei unter 4 Promille. Ein britischer Professor der Statistik ist extrem sauer auf das octale Mirakel, weil der ihm den Spaß an seinen professionellen Zahlenspielereien gründlich vergällte. Künftig müsse er damit rechnen, so sein Geständnis, daß sein infallibles Lehren stets durch Fragen aufmüpfiger Studies nach dem Krakenphänomen gestört wird. Der Octopus belehrt alle, die delphisch dilettieren, daß absolute Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschehen die Urbedingung eines verläßlichen Orakels ist. Im Hinblick auf eigene Prognosen ist diese Grundhaltung (siehe Bild) noch nicht erreicht. Die Ankündigung über einen extremen Hitzesommer zur Zeit klirrender Frosttage ist wahr geworden. Sommerglut war in vergangenen Wintertagen ganz gewiß ein Thema nullter Relevanz. Anders dagegen das Phänomen der periodischen "Ätherschwingung" von Mitte August letzten Jahres, das den Geist glühend machte. Die Messungen zeigten bis zum 26. Juni (Mondfinsternis) 31 gewaltige Hammerschläge gegen die Erdachse, dann von einem Tag zum anderen blieb das Phänomen aus bis heute. Noch steht aber ein erneutes Anfachen für August in Aussicht und der "Stillstand" jetzt scheint eine Art "technisches" Problem der Akteure zu sein. Es hat den Anschein, daß die Hammerschläge aus der Region des Saturn geführt werden. Dies ist der Sitz der Throne und einer von ihnen die alte Asengottheit Thor.
Wenn der Prozeß wieder in Gang kommen sollte, könnte es zu ersten augenscheinlichen Ereignissen im August kommen. Die gegenwärtigen weltweiten Sommergluten sind wie ein Vorglühen kommender Ereignisse. Zuerst wird man dies als unberechenbare Naturereignisse ansehen. Den Oberen wird es ein Gräuel sein, nicht weil sie etwa davon betroffen wären, sondern wegen der Gefahren, daß ihre kunstvolle Verschleierungspraxis global enthüllt wird. Gut, wenn sie dann von ihrer Macht ließen und einfach fortgingen. Die verborgte Macht käme zu all denen zurück, denen sie geraubt wurde, also zu einem jeden von uns. Dort ist sie dann endlich wieder am rechten Ort für ihren eigentlichen Zweck, der Erlangung der Macht über uns selber und damit zur Gewinnung neuer medialer Fähigkeiten.

Am Marstag dem 13. Juli fanden sich in der Berliner Akademie der Künste einige Köpfe (Künstler, Kunsthistoriker und Gehirnforscher), um über die Frage "Wo ist der Geist heute" zu diskutieren. Eigentlich überraschte es niemand, daß das Podium darauf keine Antwort hatte. Keiner versuchte eine Vorstellung von Geist und seinen Gesetzen zu entwickeln. Geist war nirgends außer natürlich bei sich selbst! Künstler, stets verdächtig für unberechenbare Entwicklungen, standen unter Generalverdacht, daß ihre Produktionen lediglich pathologische Abweichungen vom Gesunden sind. Dabei saß die Antwort auf die gestellte Frage dem Podium vielfältig gegenüber. Dort wartete man auf die Begegnung mit dem Geist des Gesprächs. Aber die Geistlosigkeit des Gebäudes der Akademie, die der gerade verstorbene Architekt Günter Behnisch zu verantworten hatte, trug das ihre dazu bei. Sie wurde zwar bemerkt aber nicht ihre unmittelbare Wirkung auf die Gesprächsrunde. Ein Gast bedauerte deshalb auch bald, daß das Thema kontinuierlich von den Diskutanten verfehlt sei und deshalb sein Aufwand der Anreise aus Norwegen umsonst. Dabei wäre es doch so leicht durch Erweiterung der Frage nach dem "Wo" des Geistes um die Fragen, "wie findet man den Geist heute" und "wer findet den Geist" blitzartig zum Kern des Problems vorzudringen. Den Geist findet man eben nicht im Raum (wie der Hirnforscher und seine ganze Zunft feste glauben), sondern in der Zeit. Die konkrete Anweisenheit von Geist ist sofort ersichtlich in jedem sinnfälligem Prozess und seine Gesetzmäßigkeiten offenbaren sich in der Zeit. Es ist doch schiere Narretei zu glauben, die Geistigkeit eines Schachspiels läge in den Figuren und man findet sie, indem man die Steine im CT-Scanner zerlegt. Aber nur dafür erhält man heute öffentliche Förderung. Der Geist zeigt sich, wie er seine Spuren in den Sand zeichnet, das hat das einzigartige Wesen der Zeit einst der Menschheit in einfachster Weise vorgeführt. Und der den Geist findet, ist keine Technik oder ein Computerprogrmann, sondern natürlich der Geist, der sich an der Wahrnehmung der Geistigkeit des Gegenübers begeistert!

Der Naturforscher bestätigte dann auf Nachfrage, daß er seiner Wissenschaft gelegentlich doch "schöpferische" Momente zubillige. Aber auf die Frage, ob nicht der mit sanfter Dogmatik verkündete Determinismus auch für seine Wissenschaft gelten müsse, war das Gespräch beendet. Hätte sich das Podium irgend mit Geistesforschern vorher beschäftig, wäre womöglich die Frage, "wie erlangt man Erkenntnisse von höheren Welten" sachgerecht und unter dem zeitgemäßen Aspekt "wie erlangt man Erkenntnis vom Geist" zur gegenseitigen Befeuerung gestellt worden. So verblieben die Wissenschaftler in ihrer Halluzination über die Hintergründe der ERscheinungen und versäumten in ihrem selbstgefälligen Spiel ein entscheidendes Tor für die Wissenschaft von morgen zu schießen

Ihr Instrumenete freilich, spottet mein,
Mit Rad und Kämmen, Walz und Bügel.
Ich stand am Tor, ihr solltet Schlüssel sein;
Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel.
Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben.
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.
Goethe, Faust I
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Juli 2010 um 07:29 Uhr