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Zeitbombe I

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Pseudo-Kassandra bricht das Schweigen. Im konzertlauten Weltoptimismus - trotz täglich sichtbarer und hörbarer Katastrophen- und Krisenmeldungen - ergreift sie die pessimistische Feder: Man kann das Glas eben halb voll oder halb leer sehen... Da jedoch viele das Glas halb voll sehen wollen – oder es sogar können, zeigt sie deshalb das halb leere Glas! Auf diese Weise werden beide Seiten der Medaille sichtbar und darauf der Mensch in seinem Existenzringen hoffentlich auch. Abgesehen davon behaupten manch böse Zungen, Optimismus sei bloß ein Mangel an Information!

Während des letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts, hörte man oftmals im politischen Diskurs das Schlagwort: „Der Mensch ist das wichtigste Kapital!“ Das ist nun erst einmal verstummt. Wahrscheinlich seitdem die Währungen vereinheitlicht und die Volkswirtschaften der Globalisierung weichen, bzw. sich „wichtigerem Kapital“ anpassen durften. Wenn Begriffe inhaltlich und beinahe unmerklich von jedem anders interpretiert, im globalen Handeln jedoch zusammengewürfelt und dem Eigeninteresse untergeordnet zur politischen Gestalt verdonnert werden, ist die (noch virtuelle) Zeitbombe schon scharfgemacht. Wo liegt die Ursache?

Es war einmal ein deutscher Bundeskanzler, der am Anfang seiner Legislaturperiode, vor allen anderen Reformen, von der absoluten Notwendigkeit einer „geistig-moralischen Wende“ sprach. Merkwürdig – auch merk-würdig – wie nahe eine maßgebliche politische Persönlichkeit der Weltgeschichte an eine Wahrheit herankam, die später im politischen Trott wieder verpuffen sollte. Hatte da jemand etwas überhört, oder nicht verstanden? Handelte es sich nur um Schlagworte, oder Allüren? Wurde damals gar eine „zeitgenössische Pythia“ nicht erkannt?

Mit Beginn des Milleniums traten auch alle Wohltaten der Globalisierung zu Tage. Das Individuum Mensch hatte seine Initiativen, Bedürfnisse und Ideale einem globalen Markt unterzuordnen, der ihm als Gegenleistung die Sorge des selbständigen Denkens und Wollens, durch eine Fülle von Billigstleistungen, Mobilität und Scheinbedürfnissen ersetzte. Schöpfertum und Kreativität, bitte sehr. Aber nur im Rahmen der Flexibilität auf Produkte und „Markterfordernissen“, kurz: Für den Menschen als Individuum wird das Eigene „Was“ immer weniger wichtig, das allgemeine „Wie?“ immer überlebenswichtiger. - Die Gretchenfrage stellt sich nun: Ist der Mensch für die Zivilisation da, oder ist die Zivilisation für den Menschen da?

Die Politik stellt den Gang der Ereignisse als etwas Unvorhersehbares dar, dem Bürgerinnen und Bürger sich „flexibel“ anzupassen haben. Was vorhanden, bzw. als vorhanden „beschlossen“ wurde, ist nun einmal da! Verständlich, jedoch für die Betroffenen kurzsichtig! Denn allen Ereignissen liegt ein gedanklich gesteuertes „Wollen“ zugrunde und ist somit „menschengewollt“ und vom Menschen beeinflussbar. Nichts von dem, was in der Welt gesellschaftspolitisch geschieht, ist „naturgegeben“, so wie manche Politiker es gerne akzeptiert sähen. Alle Reflexion – oder fast alle - ist zu Zweckdenken herabgestuft, im Dienste einer rein materialistischen Weltordnung. Auch wenn jedes zweite Wort „Freiheit und Glück für alle“ heißt. Der Trugschluss liegt darin, dass diese hehren Ideale nur dann Realität werden, wenn das Eine für jeden Menschen einen innerlich erlebbaren Inhalt bekommt und das Andere zum brüderlichen Miteinander führt.

Aber halt! Wie soll man das Denken der Zeitgenossen mit diesen Feinsinnigkeiten strapazieren, wo doch viele Kinder glauben, dass die Bohne aus dem Supermarktregal und nicht vom Acker kommt? Wo Lebenssinn sich dann erfüllt, wenn das Fliessband als Perpetuum-Mobile und der Konsum reibungslos funktioniert?! Alles, was die Werbung preist, dass es notwendig und erreichbar sei, dass die Materie Realität und der Geist Fiktion sei, die höchstens zum gehobenen Zeitvertreib tauge? Dabei ist es genau umgekehrt: Wäre eine Idee in ihrer eigenen Welt im Menschengeiste geboren nicht erst einmal „geistig“ da, wäre der Kochtopf, den jene z.B. hervorgebracht hat, auch materiell nicht da. Die Folgen wären dann entsprechend...

Wie sollen Vertrauen, Demokratie und geistig-moralische Werte entstehen, oder gar bestehen bleiben, wenn nur das Materielle, Wirtschaftliche, kurz, das mit der elementaren Logik „Greifbare“ anerkannt werden, die Triebkraft jedoch, die eigentlich dies alles ermöglicht, abgeschafft oder bestenfalls als „Überbau“ abgewertet wird?

Lieber Mensch, willst Du im Laufe deines Lebens keine Sensibilisierung für deine g e i s t i g e Realität gewinnen, ja deren Erkenntnis anstreben und Lebtags nur von der Hand in den Mund denken, deine h u m a n i s t i s c h e Bildung, mit deren ästhetisch-moralischen Werten und die deiner Nachkommenschaft zur Disposition politischer Experimente stellen und den Sparzwängen überlassen, dafür eine derartige akzeptieren, die nur von Fließband-, oder wie auch immer gearteten Produkten bestimmt wird, ist noch eine weitere virtuelle Zeitbombe in sicht...!

Die möglichen Folgen wollen wir das nächste Mal betrachten, damit diese „Zeitbomben“ auch weiterhin „virtuell“ bleiben...

Es grüßt Euch herzlich der

„Zeitbomben-Räumungsdienst“

Eure

Pseudo-Kassandra

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. August 2011 um 08:53 Uhr