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Zeitbombe II

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Zeitbombe II 

Früher als ihr lieb ist, bricht Pseudo-Kassandra erneut ihr Schweigen. Der Grund hierfür ist,  dass die Menschheitsgeschichte bei der Menge an Dummheiten, die sie sich leistet, eine derartige Eigendynamik erfährt, dass möglicherweise nur noch die Götter die Menschen vor sich selbst retten könnten. Bald stehen nicht mehr genügend Kräfte zur Verfügung, auf die der kleine Zeitbomben-Räumungsdienst von Pseudo-Kassandra zurückgreifen kann, um das Zerplatzen der Virtuellen Zeitbombe zu verhindern, bzw. den Menschen dahingehend aufzuklären, dass er selber tun muss, was niemand sonst vermag.

 

Verzeihung, Pseudo-Kassandra muss sich aus dem vorhergehenden Beitrag nun selbst zitieren: 

“Es war einmal ein deutscher Bundeskanzler, der am Anfang seiner Legislaturperiode vor allen anderen Reformen von der absoluten Notwendigkeit einer „geistig-moralischen Wende“ sprach. Merkwürdig – auch merk-würdig -  wie nahe eine maßgebliche politische Persönlichkeit der Weltgeschichte an eine Wahrheit herankam, die später im politischen Trott wieder verpuffen sollte. Hatte da jemand etwas überhört oder nicht verstanden? Handelte es sich nur um Schlagworte oder Allüren? Wurde damals gar eine „zeitgenössische Pythia“ nicht erkannt?“ – Zitat Ende!

 

Mit dieser Äußerung steht Pseudo-Kassandra nur ein Paar Tage später verblüfft vor einem „politischen Neffen“ besagten Bundeskanzlers, in Gestalt des amtierenden  Verteidigungsministers, der – Jahrzehnte später – die besagte „geistig-moralische Wende“ im Feuer des Gefechts um seine Doktorarbeit, die sich medienwirksam als Plagiat entpuppte, wohl als „geistig-moralische Wendigkeit“ missdeutet hat. Mit der entsprechenden Entrüstung allerseits.

 

Die Normalsterblichen, deren Mehrheit in der besagten Ministergestalt eine Lichtgestalt erblickte, ruft ihm „Weitermachen!“ zu. Die Opposition und die damit sympathisierenden Persönlichkeiten bemühen alle Metaphern, um den Minister zum Rücktritt zu bewegen.

Die Bundeskanzlerin trennt des Ministers charakterlichen Kollaps von seiner ministerialen Virtuosität und lässt ihn (noch) Verteidigungsminister sein...

 

Der Clou ist aber: A l l e  haben aus ihren jeweiligen Blickwinkeln recht! Es stimmt zwar, dass die hehren moralisch-ethischen und politischen Messlatten, die der Minister vollmundig über sein Handeln in Sonn- und Alltagsreden verkündet hat, sich bei der aus fremden Materialien zusammengeflickten Doktorarbeit als Bluff erwiesen haben. Aber... kennen wir nicht schon vom seligen Macchiavelli „Der Zweck heiligt die Mittel“? Oder Adenauer: „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an“? Oder: „ Es wird halb so heiß gegessen, wie gekocht“ (Volksweisheit) und so weiter und so fort.

 

Meine Lieben, lange Rede kurzer Sinn: Die wahre „Lösung der Quadratur des Kreises“ (O-Ton des besagten Verteidigungsministers) liegt in einem gesellschaftsweiten Konsensus, ob für das Volk andere Moral- und Ethikparameter als für seine (aus)gewählten Vertreter gelten. Auf d i e s e r Ebene von „Saulus zu Paulus“ reden zu wollen wäre aberwitzig. Spaß beiseite: Wenn alles was früher von Oma als Lüge, Betrug oder Diebstahl wenig schmeichelnd bezeichnet wurde, aus „Ratio Politica“ heute relativiert wird, eine ethische Vorbildfunktion zur politischen Funktion mutiert, dann ist die Zeitbombe nicht mehr zu entschärfen. 

Letztendlich nutzen Polemiken in der besagten Geschichte nach gar keiner Seite. Für den charakterlichen Schlamm des menschlich – allzumenschlichen, könnte man das Evangelium bemühen, d.h. „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“.  Wenn der Mensch jedoch frei sei oder gar ist, dann sollte er sich entscheiden, was auf lange Sicht für ihn und seine Umwelt Glaubwürdigkeit, Vertrauensbildung und schlussendlich Menschenwürde bedeutet.

 

Die Zeitbombe die an der Wiege dieser Zeitbombe stand, ist die jahrzehntelange Vernachlässigung der wohl ewigen Frage, w a s ist der Mensch, - eine Frage die übrigens immer „ewiger“ bleiben wird, je weniger man sich mit ihr befasst. Dadurch wurde die heillose Zweckbestimmung des heutigen menschlichen Individuums möglich. Als „Erzeuger“ oder „Produkt“ (oder beides) für zukünftig möglichst lukrative Wirtschaftsbranchen wird es ausgebildet und auf krassesten Materialismus und bodenlosen Egoismus begründet, verbildet. Der Geistmensch, der das Individuum belebt, verkümmert und wird zur Zeitbombe (gemacht).

 

Das beschert dann der Menschheit die Menschen, an die sich vorausgegangenen Gesellschaften versündigt haben: Menschen, die in ihrem Ich so gespalten sind, dass alles nur dann etwas gilt, wenn es profitabel ist und möglichst bequem und moralisch-ethisch dehnbar wie Gummi gehandhabt werden kann und darf! Interessen vergewaltigen Prinzipien, diese verwässern und schrumpfen zu „Spielregeln“ und alle miteinander begraben Mensch und Universum.

 

Glaubt bloß nicht, das alles sei Schwarzmalerei einer verrückten Weltverbesserin!

Es ist noch gar nicht so schwarz, wie es noch möglich wird. Denn: Wer nicht begreifen will, muss es spüren. Wozu sonst alle Katastrophen. Aha, Zufall! In der Tat: „zu Fall“! Bequem wird es nicht, doch gibt es nur die Alternativen: „sein oder nicht sein“ (Shakespeare/Hamlet) 

Und das geht nicht „egal wie“!

 

Es grüßt Euch ganz herzlich der Zeitbomben – Räumungsdienst

 

 

Eure

Pseudo - Kassandra  

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. August 2011 um 08:54 Uhr