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Agnosis oder experimenta docet

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Eine Übung für Agnostiker

Kann man einem bis aufs letzte Gen steinfest von der Aufklärung überzeugten Menschen noch etwas Neues beibringen?

Man könnte es ja mal mit seiner Neugier versuchen. Dazu sei eine kleine Übung vorgeschlagen, die jeder unternehmen kann, der die Gesetze der Logik für zwingend ansieht und noch in seiner frühen unangepassten Jugend die Behauptung 1+1=2 für unmittelbar einsehbar hielt. Warnend sei aber vorab schon auf die Folgen hingewiesen: das kleine Experiment führt tatsächlich zu Ergebnissen, wenn es beharrlich ausgeführt wird. Binnenphänome sind dem ernsthaftem Bemühen 100% garantiert, nur in einer Hinsicht besteht eine Gefahr. Es kann im Ergebnisfalle dem Mythos der Sinnlosigkeit alles Daseins durchaus an den Kragen gegangen sein.

Das Erste für diese waghalsige Experiment ist, sich in einen Zustand der körperlichen Ruhe zu begeben, es sich also bequem zu machen und zu versuchen, sich den Wahrnehmungen von draußen einfach taub zu stellen. Gut geeignet ist die Zeit zwischen zwei und vier Uhr morgens, allerdings muss man wach sein, sonst klappt es nicht. Wenn das Licht ausgeschaltet ist und die Augen geschlossen, darf eigentlich selbst bei den größten Skeptikern kein Zweifel bestehen, daß in dieser Situation kein normaler Mensch behaupten kann, irgendwas zu sehen.

Der zweite Schritt ist gegenüber dem ersten mit einer geringen Anstrengung verbunden. Auge und Ohr sind zwar schon ohne Beschäftigung, aber das Hirn rattert noch über die letzten Gemeinheiten der lieben Mitmenschen. Das soll es nun, wir sind auf Entzug, lassen, einfach mal ein paar Takte den Motor abstellen und nur darauf achten, ob noch was innerhalb der Grenzen der Haut los ist, wenn die grauen Zellen zur Ruhe gekommen sind und alles äußerliche Anregung weg ist. Völlig natürlich ist es, wenn man am Beginn dieses Trainings zumeist gleich in tiefsten Schlaf fällt. Das macht aber gar nichts, denn erstens ist der Schlaf erholsam und zweitens fordert es jeden, der nur einen Funken Neugier hat, heraus, es noch mal zu probieren mit dieser eigenverantworteten Selbstbeobachtung.

Nach kurzer Zeit wird ein jeder, wenn er nicht völlig vernagelt ist, feststellen, daß das wirklich Hirnwasser zur Ruhe kommt und die körperliche Wüste darunter eine endenlose Leerheit offenbart. Nach geraumer Zeit stellt man fest, die "Wüste" lebt. Es tut sich was. "Jemand" ist geradezu unheimlich aktiv, obwohl die Schaltzentrale über den ruhenden Wassern den Zustand "idle" zeitigt. Schnell wird man herausbekommen, daß dieser "jemand" froh ist, endlich mal nicht sich um die "obere Etage" kümmern zu müssen und nun munter seine freien Kapazitäten nutzt, um so manches unter der Pelle alt gewordene Projekt in Angriff nimmt. Man merkt, es wird aufgeräumt, ja sogar das eine oder andere weggeschmissen, was man zum Beispiel anderentags an dem verstärkten Stuhlgang bemerkt oder seelischer Erleichterung.

Nun, wer nicht nachlässt in seinem Forschungsdrang wird nach geraumer Zeit erstaunliches wahrnehmen. Die wegen der Nacht und der geschlossenen Augen garantierte Dunkelheit bleibt nicht so, wie sie ist. Es kommt zu kleinen Lichtreflexen, ja sogar Blitze erhellen kurzzeitig die eigene Gehirnschale. Man fühlt, daß das Licht gut tut, wenn man versucht sich darauf zu konzentrieren. Die Simplizitäten unter uns nennen das Aufleuchten ganz einfach Licht, was sonst? Nüchtern muss man am nächsten morgen feststellen, daß aus Abend und morgen in einem ein erster Tag wurde. Nicht ohne Grund kann man diesen Tag seinen ersten wahren Montag nennen, denn dieses erste Licht ist unbeständig und es gibt Nächte, da bleibt es dunkel trotz allen Mühens. Dunkel wie in einer Neumondnacht!

Die nächsten Erscheinungen kann jeder an sich erproben. Aber sie lassen sich ordnen, wie Wochentage, aber wohlgemerkt immer nur als Folge eines Abends auf den nächsten Morgen. Die echten Forscher unter uns werden bald herausbekommen, daß die nächtlichen "Entladungen" korreliert sind mit dem jeweiligen Wochentag. Eine Donnerstagnacht zeitigt andere Ergebnisse als eine Dienstagnacht.

Wer wirklich dran bleibt und die Übung fortsetzt, wird bald erstaunliches wahrnehmen. Es werden Prozesse spürbar, die zunehmend regelmäßiger werden und den ganzen Körper ergreifen. Man spürt Strömungen entlang bestimmter Bahnen, die zunehmend kräftiger werden. Es kommt etwas Neues hervor, fast scheint es wie ein Geburtsprozeß.

Kann man nun aber wirklich behaupten, daß man selber es ist, der dieses bewirkt. Von außen jedenfalls, sind diese Kräfte nicht. Wer das vermutet, hätte das "Spiel" schon verloren. Nun, wer ist es denn, der da so kontinuierlich und munter in einem selber tätig ist. Die Antwort findet man in seinen Träumen. Zuverlässig taucht nach einer gewissen Zeit in den Träumen eine "Person" auf, die man als jemanden erkennt, zu dem man irgend wie ein Vater ist. Es entpuppt sich bald der eigene Sohn, der heran wächst und muntere Spielchen betreibt. Bei den forschenden Damen unter uns kann es eine Tochter sein, aber auf jeden Fall ist es ein Kind, das da spielerisch auf der grünen Wiese tätig ist. Manches Mal möchte man es prügeln aber welch echter Vater bringt es über sich, seinen Sohn oder Tochter zu schlagen, nur weil das Kind gelegentlich über die Stränge schlägt.

Nach und nach stellt man fest, daß die Energie den eigenen Körper immer mehr ergreift. Es prickelt hier und da aber an immer gleichen Stellen. Und dann stellt man fest, wenn man den eigenen Atem kontrolliert in den Prozeß einsetzt, kommt es zu erstaunlichen Resonanzeffekten. Die Kraft folgt dem Atemrhythmus und scheint sich besonders dann zu nähren, wenn die Atmung bewußt reguliert wird. Es bleibt nicht aus, bald beginnt man diese neue Kraft zu lieben und man kann gar nicht mehr ohne sie, weil sie so voller Lebensenergie ist, die sich auf den Körper überträgt.

Schließlich kommt ein letzter Tag mit eigenem Charakter aus Abend und Morgen und der heißt Sonntag. Und beim Aufwachen hat man noch den Nachklang eines gesprochenen Wortes im Ohr:

ICH BIN UNTER ALLEM ÜBERALL!

Ist man soweit, fühlt man sich wie ein Fisch in zerlassener goldener Butter und kann seinem jüngsten gerade grauenden Tag getrost entgegensehen.


Nota bene

 

Nicalos Tesla berichtet als 60-ig jähriger das gleiche Phänomen wie folgt: "Diese Lichterscheinungen treten immer noch von Zeit zu Zeit auf, wenn mich eine neue Idee streift, die neue Möglichkeiten eröffnet, aber sie sind nicht mehr so erregend, da sie von relativ geringer Intensität sind. Wenn ich meine Augen schließe, beobachte ich stets zuerst einen Hintergrund von sehr dunklem einfarbigen Blau, dem Himmel in einer klaren, aber sternenlosen Nacht nicht unähnlich. Binnen weniger Sekunden wird dieses Feld belebt von unzähligen schillernden Funken von Grün, die in mehreren Schichten angeordnet sind und sich auf mich zu bewegen. Dann erscheint rechts ein wunderschönes Muster aus zwei Systemen enger, paralleler Linien, die im rechten Winkel zueinander stehen und in allen Farben schimmern, wobei Gelb-Grün und Gold vorherrschen. Sofort danach werden die Linien heller, und das Ganze ist stark gesprenkelt mit Punkten aus gleißendem Licht. Dieses Bild bewegt sich langsam über das Gesichtsfeld und verschwindet ungefähr innerhalb von zehn Sekunden zur linken Seite hin. Es hinterläßt einen Grund von ziemlich unfreundlichem, trägen Grau, das schnell einem wogenden Meer von Wolken Platz macht, das scheinbar versucht, lebende Formen anzunehmen. Es ist merkwürdig, daß ich in dieses Grau keine Form projizieren kann, bis die zweite Phase erreicht ist. Jedes Mal, bevor ich einschlafe, huschen Bilder von Menschen oder Objekten über meine Augen. Wenn ich sie sehe, weiß ich, daß ich dabei bin, das Bewußtsein zu verlieren. Wenn sie ausbleiben und nicht kommen wollen, bedeutet dies eine schlaflose Nacht".

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. Januar 2016 um 17:14 Uhr