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ER WILL das ICH BIN

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Das Wissen um die Geheimnisse des Himmels war die Grundlage für den Bestand des Jahrtausende währenden ägyptischen Staatswesens. Die streng gehüteten Mysterien besorgten die Existenz des Staates. Die durch diese bewirkte Hochkultur war der wirksamste Schirm des Volkes gegen die feindlichen Barbarenhorden. Der ungeheure Aufwand zur Errichtung der Pyramiden (Pira Mi Dai: gib mir Weisheit!) folgte aus einem Staatsziel. Die im Schutze der steingewordenen sakralen Geometrie praktizierte Geisteswissenschaft war der Garant, daß die okkulten aus dem Jenseits kommenden Informationen unverfälscht wahrgenommen und in den Staatszweck integriert werden konnten.

Im ägyptischen Geheimwissen war bekannt, daß die Kommunikation mit den für uns so transparenten Wesen über das Innere des Menschen zu geschehen hat. In den Tempelschulen erlernte der Hierophant sein Bewusstsein zu öffnen für Welten, die dem Tagesbewußtsein verschlossen sind. Die in einem langen Schulungsprozeß gereinigten menschlichen Organe bildeten den Schlüssel, mit denen die verborgenen Sternentore sich öffnen ließen. Als "Bärte" dieser Schlüssel diente ein nach Innen gesprochenes Wort, das exakt auf jedes Organ gestimmt war. In einem Bewußtseinszustand, der dem Tode gleich kam, war der erfolgreich Initiierte imstande, bewußt Fragen an seine Organe zu richten, über die dann die "Götter" ihre Antworten in sein Gedächtnis übertrugen. Die Ägypter wussten von neun Welten, mit denen jeweils entsprechende Organe in Verbindung standen. Den obersten Gebieter dieses gegliederten Reichs würdigten sie mit der Bezeichnung als "Herrscher der neun Welten" und verehrten ihn unter seinem Namen Osiris. Das, was heute als Totenkult der Ägypter bezeichnet wird, war in Wirklichkeit eine Wissenschaft zur Kommunikation mit den Welten jenseits der Bewußtseinsschwelle.

Neun Welten oder "Nächte" kannten auch die alten Germanen. Odin musste hängen neun lange Nächte am windigen Baum, bis er die Runen für die Laute zur Erde bringen konnte, aus denen sich die diesseitigen Worte, die der Wahrheit entsprechen, bilden lassen. Erst durch die Kombination der richtigen Laute wird das magische Wort "fertig", das beiderseits der Schwelle verstanden wird. In diesem Sinne finden wir im "Totenbuch" der Ägypter (siehe Peryt Shou: "Geheimlehre des ägyptischen Totenbuchs) primordiale Wörter, die über alle Zeiten bei meditativer Anwendung ihre Wirkung entfalten. So bezeichneten sie mit "UZ-hver" ein Organ, das bei systematischer Schulung als Sitz des "Ich-Bin" identifiziert wurde. Das stimmlose "h" in Verbindung mit "ver" ergibt ein Wort für eine Aktivität, die im deutschen am besten durch das Wort "machen" zu bezeichnen ist. "UZ-vher" heißt "Seinen Willen machen oder tun". Der Name der Gnosis "Luzifer" für Lichtbringer ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Die gotische Buchstabenform für den "HVER"-Laut ist das astronomische Sonnenzeichen bestehend aus Mittelpunkt und Kreis. Der Bezug zur Sonne findet sich auch im griechischen "Hvelios"=Sonne (siehe Ernst Moll: Die Sprache der Laute). Der deutsche Sprachgeist, dem wir hier wiederholt versuchten auf seine genialen Schlichen zu kommen, hat uns die spirituelle Gewalt des Lautes "hver" in unser geliebtes Deutsch vermacht in Gestalt der nicht zu übertreffenden Vorsilbe "ver". Die Vorsilbe "ver" ist die am meisten "ver"wendete unseres durch die deutsche Sprache geschaffenen Kulturraums. Keine Sprache der Welt verfügt über eine ähnlich raffinierte "Ver"wandlungsmacht seiner Worte. Man lausche hierzu in Worte wie verstehen, vergehen, verwesen, verbergen, verwehren, verkennen, verschwören. So heißt "Vererben", "Vermachen" eigentlich "machen möglich machen". Der Zauber der Vorsilbe "ver" zeigt sich darin, daß es den Sinn der Worte sowohl ins Positive wie ins Negative "ver"kehren kann. "Verkünden", "versehen", "verkommen", "vergehen", "verraten", "verhalten", "vermögen" mögen als Beispiele dienen, wie vordergründig banale Substantive auf ein spirituell gesättigtes neues Niveau gehoben werden. Ganz besonders faszinierend ist die Fähigkeit der Vorsilbe "ver" den Wörter eine Doppeldeutigkeit zu geben, die das Bewusstsein stutzen lässt, bis es die List unseres durchaus auch schelmischen Sprachgeistes versteht. Beim ersten Hören des Begriffs "Versöhnung" scheint es zunächst keinen Nebensinn zu geben. Die verborgene Nebenbedeutung jedoch lässt eine neue spirituelle Realität erfahren, allerdings nur dem, der den Sohn zum obersten Ziel seiner seelischen Entwicklung gemacht hat.

Sitz der Epiphyse in rot

Das Bemühen um das Verstehen der Laute führt zum Erkennen der Schöpfungsgeheimnisse. Der "Ver"stand aber ist dafür nicht das geeignete Mittel. Dieser ist die Fähigkeit durch einen Moment des Innehaltens des fließenden Bewusstseins die subjektiven Vorstellungen mit einer vom Ego akzeptierten Logik nahtlos zu verbinden. Die "Ver"nunft dagegen ist die Fähigkeit, eine objektive Gesetzmäßigkeit zu erkennen und sich zum eigenen Wohle darnach auszurichten. Beispiel: niemand begibt sich zur Geisterfahrt auf die falsche Fahrbahn, es sei denn, man ist von Sinnen.

Die alten Ägypter "ver"banden mit dem Namen ihres obersten Gottes "Osiris" die innigsten Geheimnisse der menschlichen Entwicklung. Denken, Wollen und Fühlen, die Ich-Bin-Aktivitäten des Geistes werden mit dem Lautgemälde "Os-ir-is" unmittelbar in den bereiteten Organen angesprochen. Im Deutschen werden wir durch "Es, Er, Sie" im gleichen Sinne vom Wehen des Geistes angehaucht. "Es denkt", "Sie fühlt" und "Er will" sind die Meditationsstufen, mit denen die Bewußtseinsseele der heutigen Zeit ohne Pyramidenaufwand in die Welten gelangen kann, in der die Wahrheit über die Lüge ist. Ägypten errichtete auch für diesen Gesamtzusammenhang das entsprechende Monument. Am Eingang des Tempels von Ja-Bu-Sim-Bil (wörtlich: Ich Bin, Der Ich-Bin, Der da war, Der da sein wird") sind vier Riesen als Hüter der Schwellen errichtet, die direkt mit den genannten Sätzen korrespondieren.

Im menschlichen Innern ist das Organ des "Ich Bin" die Epiphyse (=Zirbeldrüse), dem "Es denkt" entspricht das Halschakra, "Sie fühlt" regiert die Region des Herzens und "Er will" ist beheimatet in der Bauchregion. Die unerhörteste Aktivierung dieser Zentren, die uns in Konkordanz mit dem Reich bringt, das nicht von dieser Welt ist, wird erreicht durch Hingabe an einen Willen, der sich äußert in dem knappstenen Satz: "ER WILL das ICH BIN".

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 04. September 2017 um 15:56 Uhr