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„Ach, ich an Freuden so armer Mann,
daß ich mir einst dies Kind gewann“,
klagte Terramer, der Reiche,
„daß ihr Starrsinn doch erweiche,
an ihrer Seligkeit wird sie noch verzagen,
wenn sie weiter will unsern Göttern entsagen!
Ei, süße Gyburc, tu das nicht,
was dir geschah und weiter geschieht
von mir, das ist mir selbst die dickste Not.
ja, lieber ging ich für dich in den Tod.
Dies bezeugte ich Mahometen,
daß ich nur auf Tybalts Beten
und nicht aus mir gegen dich fuhr,
und bei meiner Ehre beschwur.
Der Baruch und seine Priesterschar
meinten, daß ich der Sünden bar,
wenn ich dich von deinem Leib befrei.
Meine Vatertreue noch immer bei dir sei,
Ich hatte dich einst als Kinde.
Auch wenn ich dich jetzt bei der Gnade finde,
bekenne dich zu deinem Geschlechte
komm zurück zu unseren Göttern, sei wieder die Rechte“.
„Ei, hochedler Vater, du bist mir so wert,
nur daß an dir solche Dummheit zehrt.
Daß du mich trennen willst von dem, der mir so geheuer,
der Eva einst gab erste Schamesschauer,
daß sie verhüllte ihre Brust
als sich rührte erste Fleicheslust,
die sie brachte unter Zwang
mit des Teufels Zusammenhang,
der uns immer verrät.
Du bist jetzt im Alter so beredt,
müsstest doch kennen deine Propheten
und was sie über Adams Fall benenneten.
Die Sybille und der Plato
den Sündenfall erklärten sie so:
Eva war die allein Schuldige
darum der Hölle huldigte
Adams ganzes Geschlecht,
außer Elias und der Henoch allein
mussten alle in die Höllenpein
Jeder musste da hinein.
Aber wer erlöste sie dann,
der den Sieg über die Sünde errang,
der die Höllentore selber sprengte,
und Adam‘s Notquell endlich verengte
Das war allein die Trinitat.
Der Sohn, der sich zum Drittteil hat
stets sich gleich und gleich erhaben,
am Tode nimmermehr wird sich laben
weder durch Mannes noch des Weibes Schuld
Bewirb dich doch endlich um seine gewährende Huld!“
Es antworte der Herr von Tenabrei:
„Hätt doch einer von der Drei
den Einen vor dem Tode bewahren ließ,
er sein ein echter Israelit, es von ihm hieß.
er sei von einer Jungfrau geboren:
hab ich dich durch den verloren,
den sein eignes Geschlecht ans Kreuze hing
solch Vergehen an ihm beging,
Der ist mir kein Tröster
daß unser Erzvater sei ein Erlöster,
Adam aus Höllenbanden
entbunden durch menschliches Handeln.
Die Hölle ist sauer und heiß
Von manchem Kummer dort ich weiß,
Daß ist mir von unseren Göttern bekannt,
daß das kein besonderes munteres Land,
und wie traurig es da steht.
Hat dein Jesus von Nazareth
dort die Pforten gebrochen,
was hab ich dann verbrochen
mit dem Unglauben von dir?
Bekehr dich, liebstes Töchterlein.“

 

„Ich merke, lieber Vater, es ist dir leid.
zu hören, daß Jesus um seiner Menschlichkeit
am Kreuze mit dem Tode rang,
er doch im Innern in voller Lebensblüte stand
während hier ein Menschenleib verstarb,
seine Gottheit ihm allerhöchstes Leben gab.
Selbst, wenn höher wäre dein Gott,
dem, der einem edlen Weib Vorrang lässt
und sich schützend vor sie stellt,
seinen Dienst darin sieht
da sein Leben für Würdigkeit verzehrt
und der Mühsal Last hält der Ehre wert.
Ich hörte selbst von Tybalt,
daß der Markgraf manchen Wald
als ihn der König Synagon,
Halzebiers Schwester Sohn
in einem Kampfessturme fing,
in dem er solche Taten beging,
Sein hohes Ansehen
ist bei allen Sarazenen
bekannt und es gilt sein Wort.
Jetzt lohne ich seiner kargen Macht:
hab ich ihn doch befreit von Ketten und Banden
mit denen man hielt ihn im Leid gefangen,
Zu meiner Taufe bekenn ich mich gerne,
dem Tybalt lass ich Todjerne,
obwohl du mich da kröntest.
zur Aussteuer mir gab deine Hand.
Wenn du bleibst bei Tybalten jetzt,
zürn mir nicht, wenn ich bleibe fest.
Er beansprucht auch Sevilla:
aus seinem Erbe von Marsilia
von seinem Onkel, den einst Roland erschlug,
Seit dein Onkel, der Baligan
das Leben verlor durch Karle,
die halbe Provence und Arles
die Treue brechen an deiner eignen Frucht,
O weh, was taugt noch deine alte Zucht?
Du verwirkst an mir dein Heil,
und lass mich mit der Armut leben“.
Das Gespräch erging in einer Stunde Frieden.
Doch König Tybalt ließ nicht ab vom Ränke schmieden
Terramer verhielt sich dagegen so,
heute Flehen, morgen drohte er roh,
seiner lieben Tochter.
in Orange wollt sie ihr Leben fristen,
und das ihrer so arg geschwächten Leut
bis der, der von ihr schied, sie wieder erfreut
zusammen mit der Hilfe vom römischen Vogt.
aus göttlicher Stärke.
Lieber Vater, dies dir merke:
werd ich folgen meinem Gebot
und treu bleiben bis in meinen Tod,
gesichert nur durch sein eigen Schild
vor größter Ungemach
beim Tjoste für seine Speere verschliff.
Die Minne nach ihm gerne griff,
daß er den Ruhm auf beiden Seiten
erhielt und behalten wird für alle Zeiten.
Damals war ich Königin dort
und führte ein Leben in aller Pracht:
zog mit ihm ins Christenland,
ergab mich ihm und seines Höchsten Hand.
damals, als du mich noch schontest
und deine Vatertreue jenes Land
Nur für seines Erbe Teil
hält er deine Ehre feil.
selbst diesseits des Meeres hat er nicht genug
glaubt als Erbe sei es in seiner Hand:
meint er, soll er erben.
Willst du dich wegen solcher Lügen verderben
verschenkt doch Todjerne, meines Erbes Teil,
an Tybalt und Ehmireiz meinetwegen
gegen Arabeln auf‘s schwerst er fauchte.
Ehmireiz ihn deshalb zusammenstauchte.
mit nichts vermocht er
sie zu überlisten,

 

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