Donnerstag, den 27. September 2007 

Im Tagesspiegel eine "Offenbarung"

Was brachte den Tagesspiegel bloß auf die Idee, dem Thema „Offenbarung“ Platz zu lassen auf seinen keuschen Seiten. Schlaue Strategen wissen, daß die beste Abwehrtaktik gegen unliebsames Denken immer noch „Totschweigen“ ist. Kommt das ungewünschte Neue erst ans Licht, sind die eigenen Leute in Gefahr, sich das Übel anzuziehen. Der Tempel in Jerusalem vor nunmehr 1974 Jahren war da raffinierter mit seiner Nachrichtensperre über den Geistgebraus, der damals Israel so mächtig erhitzte. Von allen guten strategischen Geistern verlassen, lässt nun das Berliner Großblatt Offenbarungsgedanken auf seinen Seiten zu und holt sich dafür das Beste, was zur Zeit als Gipfelsonne der "political correctness" scheint.

Sonntags bekam Frau Sibylle Lewitscharoff 5 Spalten frei, um zu sinnieren, wie die „göttliche Offenbarung“ auf den Menschen sinkt. Der erste Eindruck, ob vielleicht Radio Vatikan seine Anteile am Verlag aufgestockt hat, ist schnell verflogen. Die Dame versteht es die Latte hoch zu legen, höher als der Ratzinger, der ist ohnehin Partei wegen seiner Sekte und kann mit einer Zunge voller Zangen nicht ungehindert vom Herrn mehr sprechen. Ihr Auge scheint unverstellt. Sie versucht sogar den Gottesblick von oben auf uns Menschlein und bezeuget die Regeln Seiner Propheten wahr. Es hüpft das Herz, wenn ihr Gedankenflug am Rande des Universums eines der großen Geheimnisse der Gottheit erblickt: die Begegnung des Endlichen mit der Unendlichkeit.

Doch plötzlich reißt die Leine. Gerade noch oben, bricht sie ab. Zwei Sätze währt der Sturz, souverän erscheint die weiche Landung. Nach den reinen Höhen schockt sie die ätzende Wirklichkeit der Erde. Ist doch verständlich, daß Madame geladen ist, zur Flinte greift und mit einem Schuß rundum die Klarheit will. Von unten nimmt sie, was zur Zeit von Beckstein bis Lehmann als das Widerwärtigste gilt nach der Runen Zeit. Aber reicht der Dreck, mit dem sie ihre Zauberkugel dreht, denn im Visier sind doch der Ziele zwei, eins im Westen und eins im Osten: Ron Hubbard und Rudolf Steiners Anthroposophie!

"Verquast" nennt man den Blick nach reichlichen Genuß von Most und wenig gegärtem Geist. Leicht geht ein Schuß nach hinten los. Im Rausch der eigenen Worte bleibt ihr verhüllt, daß der Gott, dem sie Vertragsbruch zeiht, die Offenbarung statt zu schwächen auf die Spitze treibt mit Seinem eingeborenen Sohn! Die Eritrea einst - eine Schwester - konnte auch nicht dahinter kommen. So bleibt die zweideutige Zunge der Sibyllen altes Leid.

Aber das ist schon ein spezieller Fall von pathologischem Astigmatismus, wenn Frau L. die beiden nur polar zu sichtenden Feinde über eine Kimme peilt. Ausgerechnet der neuzeitliche Meister der (Philosophie der) Freiheitund des Weges zur selbstbestimmten "Erlangung höherer Erkenntnisse", dem keine Sekte nachgewiesen werden kann, ist ihrer Meinung mit dem menschenverachtenden Sklavenhalter auf einem Niveau!. Da staunt der Laie und fragt sich, was ist dieses verschwiemelten Ignorabimus Grund. Man merkt, das Hauptwerk Steiners ist ihr fremd, sie kennt noch nicht einmal die besten Titel!

Zur Wahrnehmung der Sinneswelt sind die Sinne da, das Übersinnliche schaut das erweckteGeistesauge nur. "Dein Sinn ist zu, dein Herz ist tot, auf bade Schüler unverdrossen, die ird'sche Brust im Morgenrot". Faustens Weckruf galt sich selber und steht am Beginn eines unzweifelhaften Marathontrainings zur Entwicklung seiner höheren Organe. Die Tore zur geistigen Welt sind nicht versiegelt oder für wenige nur. Schlüsselgewalt hat heute jeder.  "Erkenne dich selbst" und Liebe geben die Riegel der Unendlichkeit frei. Klar, daß der frische Blick nicht nur Erfreuliches enthüllt. Bevor der Schleier der Isis fällt, hat jeder Sucher böse Ahnungen vor der eigenen Dürre.

Hinter Steiner sieht Sibylles dyanetisch verengter Blick allerdings den Goethe. Der wusste noch, wohin der Weg. Die gelenkige Zunge des Mephisto lahmte als er bedrängt vom Liebefeuer Faustens nach Helenens Schönheit Urgeheimnisse zu verraten hatte: "ungern entdeck ich höheres Geheimnis! Göttinnen thronen her in Einsamkeit, um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit; von ihnen sprechen ist Verlegenheit. Die Mütter sind es!". Man lese selber weiter.

Warum achtet die Autorin nicht des eigenen Geschlechts? Daß sie Swedenborg, Meister Böhme oder J. Lorber nicht nennt, kann an den Sternen liegen aber warum sind ihr Maria, die männliche Jungfrau, Roswitha und Avila lästig oder völlig fremd? Deren Ahnin Name ist Sophia, die reine Weisheit!

Der nach dem Sturz vom hochgespannten Seil banale theomorphe Abgang der Betrachtung ist nicht mehr konsumabel.  So wenig Tiefgang deutet auf flaches Land, wo die vielen Gleichgesinnten sind. Was war nun für "Da unten wir" der Anlaß? Ist es die alte Angst der Dunkelheit der Nacht vor dem Sonnenlicht, das da kommt oder war sie im Zwang, ein "Zeithorizont", der sie verengte und der mit schnödem Geld da seine Sache mit ihr trieb?