Samstag, den 13. September 2007 

an den Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin
Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies


war Johannes sexistischer Rassist?
Ein Beispiel für den Niedergang des Denkens an der Humboldt-Universität

der fünfte Satz des Johannesevangeliums „... und das Licht schien in die Finsternis...“ muß nach dem Institut für Kultur und Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin als rassistisch und sexistisch interpretiert werden. Dies folgt zwingend aus der Lehre „Geschlecht als Wissenskategorie“ des genannten Institutes.

Wissen ist das Ergebnis von Erkenntnisprozessen. Dem Wissen liegen Informationen zugrunde, die dem Menschen zugänglich sein müssen. Für die Anwendung von Wissen ist dessen Entstehungsprozeß irrelevant. Wissen ist nur solche Information, die mit der Realität übereinstimmt. Den Unterschied zwischen einer Tomate und einer Gurke zu wissen, verlangt nicht die neuesten biologischen Erkenntnisse der Wissenschaft zu verstehen.

Kategorien

Bewegung

Haben

Lage

Leiden

Qualität

Quantität

Raum

Sein

Tat/Tun

Zeit

Ein klares Denken verwendet Kategorien, um Grundaussagen machen zu können. Aristoteles kannte deren 10. Kategorien sind verschiedene Blickwinkel bei der Wahrnehmung der Objekte. So wie das Fernrohr des Astronomen nicht auf den betrachteten Stern einwirkt, sind Kategorien transparent gegenüber den Objekten der Betrachtung und von ihnen unabhängig. Sie selbst sind dimensionslos. Dies ist eine der Grundlagen der um Objektivität ringenden Wissenschaft.

Das genannte Institut hat nach Aristoteles nun eine neue Kategorie gefunden. Es sieht seinen Forschungsansatz im „Geschlecht als Wissenskategorie“. Danach wären die Objekte der Erscheinungswelt abhängig vom Geschlecht des Betrachters. Dies versucht man in Veröffentlichungen am Beispiel von Licht und Finsternis zu verifizieren. Danach ist unter dem Blickwinkel des Geschlechts des Mannes Licht hell und männlich, die Finsternis dunkel und weiblich. Wie Licht und Finsternis unter dem Gesichtswinkel des weiblichen Geschlechts erscheint, ist bisher offenbar noch nicht erforscht!

Die Heillosigkeit des Forschungsansatzes zeigt sich unmittelbar. Licht und Finsternis sind - wie oben ausgeführt - Phänomene der Erscheinungswelt und damit unabhängig von Betrachtungskategorien. Meines Wissens gelang bisher erst eine einzige objektivierte Verbindung zwischen Betrachter und Experiment herzustellen (Heisenberg).

Die physikalische Realität, daß Licht selbst nicht sichtbar ist, sondern nur an Objekten in Erscheinung tritt, ist dem Institut offensichtlich nicht bekannt. Auch die Finsternis konnte bisher nicht (z. B. durch Messung) physikalisch realisiert werden. Beide Phänomene nun aus dem Blickwinkel des Geschlechts zu erforschen, ist subjektivistisch. Der Ansatz „Geschlecht als Wissenskategorie“ basiert daher auf einer Fiktion und ist zutiefst unwissenschaftlich. Der „Wissenschaftsgewinn“, der dieses Institut der legendären Humboldt-Universität zu erreichen versucht, ist daher völlig spekulativ und als Ergebnis eines Zirkelschlusses reine Ideologie. Naziwissenschaft und Leninismus hatten einst die gleichen intellektuellen Voraussetzungen.

Seit geraumer Zeit wird diese Lehrmeinung in der Öffentlichkeit in Verbindung mit den Thematiken Rasse und Geschlecht vertreten. Wenn auch als sexistisch angreifbar, ist sie als private Meinung selbstverständlich zu tolerieren. Instrumentalisiert zur Meinungsbildung hat diese Ideologie aber keine Legitimation.

Wissenschaft ist eine „Unternehmung“ zur Erweiterung des Wissens der Menschen und der Menschheit und keine Narretei.

Sie werden verstehen, daß mir als Berliner Steuerzahler nicht einsichtig ist, wenn die ohnehin bescheidenen Landesmittel von einem hiesigen Institut ohne irgendeine Aussicht auf wissenschaftliche Ergebnisse „verbrannt“ werden.

Lassen Sie im Sinne des hohen Leistungsstandes der Berliner Forschungslandschaft nicht zu, daß sich diese der echten Wissenschaftlichkeit mangelnde Beschäftigung weiter etabliert.

Hochachtungsvoll